Chemtrails – Jetzt auch mit Planet X

Gestern Abend hat die Aktion “Sauberer Himmel” eine neue Variante der Chemtail-Verschwörungstheorie veröffentlicht. Zumindest für mich ist sie neu. Und sie ist durchaus bemerkenswert, weil sie zeigt, wie beliebig in der Conspiracy-Szene zuweilen Elemente aus diversen pseudowissenschaftlichen Behauptungen zusammengeworfen werden, nur weil es intern gerade passt.

Zitiert wird eine eMail eines ungenannten Chemtrail-Aktivisten, der zufolge es “denkbar” sei, dass “zur Zeit so viel gesprüht wird”, weil der bald vorbeifliegende Planet X dadurch getarnt und somit geheim gehalten werden soll.

Mal davon abgesehen, dass man sich spontan fragen sollte, wer genau eigentlich genau was davon haben sollte, die Existenz oder den Vorbeiflug eines ominösen Planeten geheim zu halten. Denn die Entdeckung eines Planeten ist normalerweise eine Sensation, die dem Entdecker viel Ruhm beschert. Normalerweise geistern eher verfrühte Berichte vermeintlicher Entdeckungen durch die Presse als dass sie gezielt geheim gehalten werden. Und mal ganz davon abgesehen, dass Florian Freistetter auf Astrodicticum Simplex längst schlüssig nachgewiesen hat, dass die Geschichten um Planet X nichts als blanker Unsinn sind.

Mal ganz von alldem abgesehen, wäre die große, allmächtige Weltverschwörung dabei nicht besonders effektiv. Denn in einem regenrischen Sommer wie diesem sind es vor allem mal die Wolken, die den Himmel “verhüllen”. Und trotzdem habe ich in den letzten Wochen abends auf meinem Balkon oder auch während meiner schmerzhaft vielen Zugfahrten in den ganz frühen Morgenstunden wunderschöne Impressionen des klaren Himmels beobachtet. Wenn diese Vermutung stimmt, dann ist das Hoffen auf schlechtes Wetter offensichtlich eine bedeutend effektivere Methode, einen Planeten geheim zu halten, als Chemtrailing.

Was ich übrigens überhaupt nicht beobachten konnte, waren die angeblich auffällig vielen und angeblich auffallend langlebigen Kondensstreifen, von denen bei den Chemtrailern die Rede ist. In den letzten Wochen gab es grob geschätzt durchschnittlich an einem Tag der Woche nennenswert Kondensstreifen. Und auch die waren weder ungewöhnlich langlebig noch ungewöhnlich zahlreich.

Ich würde sagen, das passt ganz gut zur üblichen Erklärung, dass langlebige Kondensstreifen nur bei 100% Luftfeuchtigkeit entstehen. Denn nach Wikipedia – und auch “Sauberer Himmel” zieht diese Daten als Argument heran –  liegt die Luftfeuchtigkeit in großer Höhe in 70% aller Fälle unterhalb 100%. Nun ja, ein Tag mit Kondensstreifen pro Woche ist davon nicht allzu weit entfernt. Und dass wir gerade einen sehr feuchten Sommer haben, kommt sogar noch dazu.

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