Skeptizismus

Nach einem Vierteljahrhundert GWUP und einer noch längeren Zeit, in der die Skeptikerbewegung allgemein aktiv ist, war es schon etwas seltsam, dass der Begriff “Skeptiker” nie so richtig genau definiert wurde. Wirklich erkennbar waren eigentlich nur zwei Exponenten: Auf der einen Seite gab es die Allerweltsfloskel “ich bin eher skeptisch”. (Übrigens eine klassische Barnum-Aussage.) Und auf der anderen Seite gab es den Skeptizismus als philosophische Denkrichtung.

Und es gab reichlich Esoteriker, die eifrig die Wikipedia-Definition des philosophischen Skeptizismus zitierten, um deutlich zu machen, dass “die Skeptiker” ja garkeine richtigen Skeptiker seien.

Nun ja, könnte man sagen, wenn man sonst nichts zu bieten hat, macht man eben das. Aber trotzdem ist es durchaus ein Fortschritt im eigenen Selbstverständnis und in der Kommunikation über das, was man eigentlich tut, wenn man diese Begrifflichkeiten ein wenig besser strukturiert. So ist es auch zu begrüßen, dass auf der 6ten Welt-Skeptiker-Konferenz ein Begriffsmodell vorgestellt wurde, das drei Formen von Skeptizismus unterscheidet – und damit aus Sicht der Skeptikerverbände das Feld vollständig abdeckt.

Philosophischer Skeptizismus

Im philosophischen Kontext bedeutet Skeptizismus die Grundhaltung, alles und jedes prinzipiell und immer wieder in Frage zu stellen. Das klingt langweilig. Und das wurde es den Philosophen irgendwann auch. Aber bis dahin haben sie gerade durch dieses notorische Infragestellen der allerselbstverständlichsten Dinge einige der wesentlichen Grundlagen der Erkenntnistheorie entwickelt.

Der philosophische Skeptizismus ist eine großartige kulturelle Leistung. Heute hat er aber nur noch für bestimmte philosophische Fachrichtungen und für nörgelnde Esoteriker eine herausragende Bedeutung.

Wissenschaftlicher Skeptizismus

Dies ist die Kategorie, die in besagtem Begriffsmodell neu ist. Und er beschreibt das, was die Skeptikerverbände und die Skeptiker, die sich in ihnen und um sie herum organisieren, betreiben und erreichen wollen. Wissenschaftlicher Skeptizismus bedeutet, dass

  • Behauptungen mit korrekter wissenschaftlicher Methodik auf ihre Richtigkeit untersucht und
  • Entscheidungen rational und wissensbasiert getroffen

werden sollen. Das bedeutet nicht, dass alles und jedes prinzipiell und immer von der Ursuppe an wieder neu begründet werden muss. Thesen, die aus zuverlässiger Quelle kommen und bei denen man darauf vertrauen kann, dass sie sorgfältig geprüft und an der Realität bestätigt wurden, dürfen durchaus als richtig hingenommen werden. Zumindest solange, bis jemand ernstzunehmende Gründe liefert, sie anzuzweifeln. Dadurch unterscheidet sich der wissenschaftliche vom philosophischen Skeptizismus.

Vom Alltagsskeptizismus unterscheidet er sich dadurch, dass er auf der Grundlage korrekter wissenschaftlicher Methoden argumentiert.

Alltagsskeptizismus

Alltagsskeptizismus bedeutet, dass man nicht einfach alles unwidersprochen hinnimmt sondern Behauptungen kritisch hinterfragt. Im Unterschied zum wissenschaftlichen Skeptizismus tut man es aber einfach aus einem “gesunden Menschenverstand” heraus. Da dieser oft hilfreich aber manchmal auch irreführend sein kann, möchte Skeptics.de erreichen, dass auch im Alltagsskeptizismus ein bisschen mehr die Methode des wissenschaftlichen Skeptizismus angewendet wird.